Fachpresseinformation

Kopfschmerztag 2025: Moderne Migränetherapien zu wenig genutzt – chronische Fälle vermeidbar 

4. September 2025 – Seit Jahren sind wirksame und gut verträgliche Migräneprophylaktika verfügbar und die aktuelle S1-Leitlinie empfiehlt ihre Anwendung [1]. Doch viele Menschen mit schwerer Migräne erhalten die modernen Migränemittel zu einem späten Zeitpunkt ihres Krankheitsverlaufes. Das zeigen aktuelle Daten der Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) e.V. „Wir Neurologen beobachten, dass viele Betroffene zuvor über Jahre erfolglos mit unspezifischen Medikamenten behandelt wurden. Erst bei starker Chronifizierung werden CGRP-Therapien überhaupt in Betracht gezogen – dabei wäre gerade eine frühe Therapie entscheidend, um eine Chronifizierung zu verhindern“, betont PD Dr. med. Lars Neeb, Präsident der DMKG. Anlässlich des Deutschen und Europäischen Kopfschmerztags 2025 fordert die Fachgesellschaft ein grundlegendes Umdenken im Gesundheitssystem. „Statt nur auf die Arzneimittelkosten zu blicken, sollten die Gesamtkosten der Erkrankung bei den vorranging berufstätigen Patientinnen und Patienten berücksichtigt werden“, so Prof. Dr. med. Gudrun Goßrau, Generalsekretärin der DMKG.

CGRP-basierte Migränetherapien blockieren gezielt das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor und markieren einen entscheidenden Fortschritt in der Prophylaxe häufiger und schwerer Migräne. Studien belegen, dass der frühzeitige Einsatz effektiver Migräneprophylaktika das Risiko einer Chronifizierung senken kann [2], womit vielfältige körperliche, psychische und soziale Beeinträchtigungen vermieden werden. Im Gegensatz zur Entwicklung einer Migräne ist der Übergang von der episodischen zur chronischen Form nicht genetisch bestimmt [3,4].

Monoklonale CGRP-Antikörper wie Eptinezumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Erenumab sind seit Anfang 2019 in Deutschland zur Migräneprophylaxe für Erwachsene mit mindestens vier Migränetagen pro Monat zugelassen. Sie werden subkutan verabreicht und besonders empfohlen, wenn unspezifische, klassische Prophylaxen unwirksam, nicht verträglich oder kontraindiziert sind. Seit Anfang 2025 stehen mit den oralen CGRP-Rezeptorantagonisten (Gepanten) weitere, tablettenbasierte Therapieoptionen für Prophylaxe und Akutbehandlung zur Verfügung.

Aktuelle Studien wie die internationale APPRAISE-Studie unterstreichen die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit einer modernen Therapie: Erenumab reduzierte die Migränetage bei Patientinnen und Patienten mit episodischer Migräne sechsmal häufiger um mindestens 50 Prozent verglichen mit herkömmlichen, unspezifischen oralen Prophylaktika. Zudem waren Nebenwirkungen seltener und die Therapietreue höher. Viele Betroffene blieben über ein Jahr stabil in der Behandlung [5]. 

CGRP-Therapien bleiben dennoch die Ausnahme

Eine Datenauswertung von 1.720 Patientinnen und Patienten aus dem DMKG-Kopfschmerzregister belegt die Kluft zwischen wissenschaftlicher Empfehlung und klinischem Alltag in der Behandlung schwerer Migräne [6]. Beim Vergleich von Personen, die unspezifische orale Prophylaktika einnehmen (z.B. Amitriptylin oder Betablocker) mit Personen, die mit CGRP-basierten Therapien behandelt werden, zeigen sich statistisch signifikante Unterschiede: Letztere haben häufig mehr ungenügend wirksame bzw. nicht verträgliche Vortherapien durchlaufen als Patienten mit unspezifischen oralen Prophylaktika. Sie haben eine deutlich längere Krankheitsdauer, häufiger chronische Migräne (+10,2 %), mehr schwere Kopfschmerztage (+1,4 Tage/Monat) und mehr Akutmedikationstage (+0,8 Tage/Monat). Zudem sind sie seltener berufstätig und leiden um fast 10 % häufiger unter psychischen Begleiterkrankungen als die Vergleichsgruppe, die unspezifische Prophylaktika einnimmt.

Die Anpassung der Erstattung der CGRP-Therapie mit Erenumab im Oktober 2022 spiegelt sich auch in der DMKG-Auswertung: Diese Therapie wurde seither signifikant häufiger auch noch nicht chronifizierten Patientinnen und Patienten verordnet.

DMKG fordert Umdenken: früherer Einsatz einer spezifischen Prophylaxe senkt Chronifizierung und damit Folgekosten

Die DMKG kritisiert, dass der frühzeitige Einsatz moderner CGRP-Therapien oft durch kassenärztliche Vorgaben für die Verordnung und Kostenrestriktionen erschwert wird. Dabei führt eine verzögerte Behandlung zu höherer Krankheitslast und steigenden direkten sowie indirekten Gesundheitskosten. „Wir brauchen ein Umdenken“, fordert Professorin Gudrun Goßrau. „Die Diskussion darf sich nicht nur kurzfristig auf Arzneimittelkosten beschränken, sondern muss die Gesamtkosten der Erkrankung bei den vorranging berufstätigen Patientinnen und Patienten berücksichtigen.“ Langfristige Krankheitskontrolle, die Vermeidung von Chronifizierung und der Erhalt der Arbeitsfähigkeit der Betroffenen seien gesamtgesellschaftlich relevanter als kurzfristige Einsparungen. Die Anwendung spezifischer Migräneprophylaktika müsse weiterhin wirtschaftlich sinnvoll sein. Nicht alle Patientinnen und Patienten benötigten eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern, die deutlich teurer seien als unspezifische, klassische Prophylaktika. „Doch bei hochfrequenter episodischer oder chronischer Migräne sollte die Therapieentscheidung ärztlich-individuell und nicht primär ökonomisch getroffen werden.“

Die DMKG appelliert daher an Ärztinnen und Ärzte, Kostenträger und Gesundheitspolitik, moderne Migräneprophylaktika frühzeitig, indikationsgerecht und patientenzentriert einzusetzen – unabhängig von kurzfristigen Kostenerwägungen. Nur so kann die Versorgungslücke in der Migräneprophylaxe nachhaltig geschlossen werden.

Literatur

1 Diener H.-C., Förderreuther S, Kropp P. et al., Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, 2022, DGN und DMKG, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: https://www.dgn.org/leitlinie/therapie-der-migraneattacke-und-prophylaxe-der-migrane-2022 (abgerufen am 1.9.2025)

2 Lipton RB, Buse DC, Nahas SJ, et al. Risk factors for migraine disease progression: a narrative review for a patient-centered approach. J Neurol. 2023;270(12):5692-5710. doi:10.1007/s00415-023-11880-2

3 Chase BA, Frigerio R, Rubin S, et al. An Integrative Migraine Polygenic Risk Score Is Associated with Age at Onset But Not Chronification. J Clin Med. 2024;13(21):6483. Published 2024 Oct 29. doi:10.3390/jcm13216483

4 Chase BA, Frigerio R, Rubin S, et al. Migraine Genetic Susceptibility Does Not Strongly Influence Migraine Characteristics and Outcomes in a Treated, Real-World, Community Cohort. J Clin Med. 2025;14(2):536. Published 2025 Jan 16. doi:10.3390/jcm14020536

5 Pozo-Rosich P, Dolezil D, Paemeleire K, et al. Early Use of Erenumab vs Nonspecific Oral Migraine Preventives: The APPRAISE Randomized Clinical Trial. JAMA Neurol. 2024;81(5):461-470. doi:10.1001/jamaneurol.2024.0368

6 Ruscheweyh R, Goßrau G, Jürgens TP, Ruschil V, Kraya T, Dresler T, Gaul C, Scheidt J, Neeb L. Welche Migränepatienten werden mit CGRP(R)-Antikörpern behandelt? Ein Vergleich zu unspezifischen oralen Prophylaktika anhand von Daten des DMKG-Kopfschmerzregisters. Der Schmerz 2025 accepted

Termine

Donnerstag, 4. September 2025, 11 – 12 Uhr online
Pressekonferenz der DMKG: Neue Daten zeigen Unterversorgung schwerer Migräne − Umdenken gefordert
Anmeldung:
www.bit.ly/Kopfschmerztag-Pk

 

Freitag, 12. September 2025, 18 Uhr
Patienten-Webinar „Attacken-Angst bei Migräne & Clusterkopfschmerzen“

Veranstalter: DMKG-Initiative »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen« in Kooperation mit der MigräneLiga Deutschland e.V. und dem Bundesverband der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen (CSG) e.V. – kostenfrei

Anmeldung: www.bit.ly/AttackenAngst

Mittwoch, 22. – Samstag, 25. Oktober 2025, Mannheim

Deutscher Schmerzkongress
Schwerpunktthemen: Innovative Schmerzmedizin, Neuroinflammation, Junge Schmerzforschung, Schmerzpsychologie und -psychotherapie
Pressekonferenzen am 6. und 23. Oktober 2025

Registrierung: Deutscher Schmerzkongress

 

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Pressestelle der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.

Initiativenbüro »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen«

c/o albertZWEI media GmbH, Oettingenstr. 25, 80538 München, Tel.: 089 4614 86-29
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Pressesprecherin der DMKG: Prof. Dr. med. Gudrun Goßrau

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG, www.dmkg.de) ist seit 1979 die interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft für Kopf- und Gesichtsschmerzen, in der Ärzt:innen, Psycholog:innen, Physiotherapeut:innen, Pharmakolog:innen und Apotheker:innen organisiert sind. Die DMKG setzt sich für die Verbesserung der Therapie der vielen Millionen Patient:innen in Deutschland mit akuten und chronischen Kopfschmerzen ein. Die Fachgesellschaft fördert die Forschung und organisiert Fortbildungen für medizinische Fachberufe sowie einmal jährlich gemeinsam mit der Deutschen Schmerzgesellschaft den Deutschen Schmerzkongress.

Mit der Initiative »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen« will die DMKG die Kopfschmerzversorgung verbessern. Im Fokus stehen Migräne, Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch, Kopfschmerz vom Spannungstyp und Clusterkopfschmerz. Das Angebot richtet sich an alle, die in der Versorgung von Kopfschmerzpatient:innen tätig sind: www.attacke-kopfschmerzen.de. Der Migräne- und Kopfschmerzguide (www.mk-guide.org) bietet darüber hinaus praxisrelevantes Wissen zu Diagnostik und Therapie von Kopfschmerzen. Mit der Ärzteplattform esanum (www.esanum.de) besteht eine Content-Partnerschaft. Die Initiative wird finanziell unterstützt von den Unternehmen AbbVie, Lundbeck, Novartis, Organon und Teva. Alle fachlichen Inhalte sind von Expertinnen und Experten aus den Reihen der unabhängigen DMKG ehrenamtlich verfasst und nicht von Werbebotschaften beeinflusst.

Fachpresseinformation

5 Millionen Euro für bessere Migräneversorgung:
Start des GKV-Innovationsfondsprojekts MIGRA-MD

Mai 2025 – Im Juni 2025 startet die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) das derzeit größte Versorgungsprojekt zur strukturierten Migränebehandlung in Deutschland: „MIGRA-MD – Strukturierte fachärztliche Migräneversorgung – multimodal und digital“. Das Vorhaben will in den kommenden vier Jahren mit digitalen Tools, multimodaler Edukation und Verbesserung leitliniengerechter Therapieentscheidungen die wichtigsten Lücken in der Migräneversorgung schließen. „MIGRA-MD soll eine leitliniengerechte, patientenzentrierte und deutschlandweite Behandlung etablieren, die sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Betroffene durch technologische Innovationen unterstützt“, sagt PD Dr. med. Ruth Ruscheweyh, DMKG-Präsidiumsmitglied und Leiterin des Projekt-Konsortiums am LMU Klinikum München. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fördert das wissenschaftliche Projekt aus dem Innovationsfonds der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit mehr als 5 Millionen Euro. Migräne ist mit 8 bis 10 Millionen Betroffenen in Deutschland eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Trotz guter Therapieoptionen gibt es ein hohes Maß an Unter- und Fehlversorgung.

Schulungen für Ärztinnen und Ärzte

Eine Projektsäule ist die Schulung und Qualifizierung teilnehmender Ärztinnen und Ärzte: Sie durchlaufen eine von der DMKG zertifizierte Schulung zur leitliniengerechten Migränetherapie oder erwerben das umfassende Kopf- und Gesichtsschmerz-Zertifikat der DMKG. Diese speziellen Qualifikationen sichern standardisierte Behandlungsabläufe und verbessern die Diagnosegenauigkeit.

DMKG-App und DMKG-Kopfschmerzregister: Digitale Schnittstelle Patient-Arzt

Ein Kernelement von MIGRA-MD ist der weitere Ausbau der digitalen Plattformen DMKG-App und DMKG-Kopfschmerzregister. Mit der DMKG-App dokumentieren Patientinnen und Patienten bereits vor dem ersten Arzttermin ihre Symptome im elektronischen Kopfschmerzkalender und ergänzen diese Angaben durch einen webgestützten Fragebogen zu Vorbehandlungen und Begleiterkrankungen. Diese Daten fließen ins DMKG-Kopfschmerzregister, zu dem die behandelnden Ärztinnen und Ärzte patientenbezogen Zugriff erhalten – als Vorbereitung auf das Patientengespräch, für eine effiziente Anamnese und eine optimal abgestimmte Behandlung. Im Register können sie zudem datengestützte Leitlinienempfehlungen zu Akuttherapie, Prophylaxe, Zusatzdiagnostik und Verlaufsbeurteilung einsehen.

Online-Patientenedukation und Veranstaltungen

Ein wesentlicher, noch zu wenig berücksichtigter Eckpfeiler der Kopfschmerzbehandlung ist die nichtmedikamentöse Prophylaxe. „Psychosoziale Faktoren wie hohe Stressbelastung, zu wenig Pausen im Alltag, Angst vor Attacken, depressive Stimmung oder Bewegungsmangel können sich negativ auf Kopfschmerzen auswirken“, erklärt Ruscheweyh. Die Umsetzung nichtmedikamentöser Verfahren im Alltag kann Betroffenen allerdings kaum in einem einzelnen Arztgespräch vermittelt werden. Mehrtägige, multimodale Schmerz- und Kopfschmerzbehandlungen in Kopfschmerzzentren großer Städte stehen nicht flächendeckend zur Verfügung.

MIGRA-MD schließt diese Lücke durch ein standortunabhängiges, digitales Portal mit videobasierten Anleitungen für Entspannungstechniken, physiotherapeutischen Übungen und edukativen Inhalten zu Stressmanagement oder medizinischen Themen wie dem richtigen Einsatz von Medikamenten. Ergänzt wird das Angebot durch regelmäßige virtuelle Patientenveranstaltungen mit einem Mitglied des DMKG-Expertennetzwerks.

Digitale Vernetzung, Verlaufskontrolle und Evaluation

MIGRA-MD stärkt die sektorenübergreifende Vernetzung mit aussagekräftigen Arztbriefen für Hausarztpraxen und die Option zur ärztlich angeforderten Mitbetreuung durch DMKG-Kopfschmerzexpertinnen und -experten für schwierige Fälle. Verlaufskontrollen nach drei und sechs Monaten gewährleisten eine dynamische Therapieanpassung. Eine datengestützte Evaluation der Versorgungsqualität wird durch das seit 2020 etablierte DMKG-Kopfschmerzregister möglich, das Patientinnen und Patienten über die DMKG-App mit Kopfschmerzkalender einbindet. Laut einer Umfrage der DMKG vom März 2025 mit 1.300 Patientinnen und Patienten würden über 90 Prozent die DMKG-App weiterempfehlen.

DMKG: Engagiert für bessere Kopfschmerzversorgung

Der GKV-Innovationsfonds fördert wegweisende Projekte zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die jährliche Fördersumme beträgt 200 Millionen Euro. 80 Prozent der Mittel fließen in jährlich etwa 20 Projekte zu neuen Versorgungsformen. Der Fonds ist beim Gemeinsamen Bundesausschuss angesiedelt und wird von den gesetzlichen Krankenkassen und dem Gesundheitsfonds finanziert.

„Die Förderung aus dem GKV-Innovationsfonds ist für die DMKG ein Meilenstein und eine großartige Anerkennung unseres kontinuierlichen Einsatzes für die Verbesserung der Kopfschmerzversorgung in Deutschland“, erklärt PD Dr. med. Lars Neeb, Präsident der DMKG. Die stark wachsende medizinische Fachgesellschaft arbeitet an dem Thema bereits seit dem Jahr 1979 mithilfe von Forschungsförderung, Fortbildungen, eigenen Kongressen, zahlreichen Tools für Kopfschmerzpatienten und deren Behandler und über die Initiative »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen« (www.attacke-kopfschmerzen.de).

Kopfschmerzkongress

Aktuelles über neue Ansätze in Prävention, Diagnose und Therapie bietet der 2. Kopfschmerzkongress der DMKG am 23./24. Mai 2025 in Köln. Das interdisziplinäre Forum richtet sich an niedergelassene Ärzte, Hausärzte, Fachärzte verschiedener Disziplinen und Therapeuten (www.kopfschmerzkongress.de). Kongressakkreditierung als Journalist/in via Kerstin.Aldenhoff@conventus.de, T. 0172 3516916

 

Presseservice

Gerne unterstützt die Pressestelle Ihre Berichterstattung mit einem individuellen Interview, stellt Ihnen Bildmaterial oder eine Aufzeichnung der Pressekonferenz zur Verfügung. Danke für Hinweise auf Veröffentlichungen oder die Zusendung eines Belegs.

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Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG, www.dmkg.de) ist seit 1979 die interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft für Kopf- und Gesichtsschmerzen, in der Ärzt:innen, Psycholog:innen, Physiotherapeut:innen, Pharmakolog:innen und Apotheker:innen organisiert sind. Die DMKG setzt sich für die Verbesserung der Therapie der vielen Millionen Patient:innen in Deutschland mit akuten und chronischen Kopfschmerzen ein. Die Fachgesellschaft fördert die Forschung und organisiert Fortbildungen für medizinische Fachberufe. Sie veranstaltet den Kopfschmerzkongress (zweijährlich) und gemeinsam mit der Deutschen Schmerzgesellschaft den Deutschen Schmerzkongress (jährlich).

Mit der Initiative »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen« will die DMKG die Kopfschmerzversorgung verbessern. Im Fokus stehen Migräne, Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch, Kopfschmerz vom Spannungstyp und Clusterkopfschmerz. Das Angebot richtet sich an alle, die in der Versorgung von Kopfschmerzpatient:innen tätig sind: www.attacke-kopfschmerzen.de. Der Migräne- und Kopfschmerzguide (www.mk-guide.org) bietet darüber hinaus praxisrelevantes Wissen zu Diagnostik und Therapie von Kopfschmerzen. Mit der Ärzteplattform esanum (http://www.esanum.de) besteht eine Content-Partnerschaft. Die Initiative wird finanziell unterstützt von den Unternehmen AbbVie, Organon, Lundbeck, Novartis und Teva. Alle fachlichen Inhalte sind von Expertinnen und Experten aus den Reihen der unabhängigen DMKG ehrenamtlich verfasst und nicht von Werbebotschaften beeinflusst.

Einladung zur Online-Fachpressekonferenz

Optimierte Therapie für Menschen mit Migräne: GKV-Innovationsfonds-Projekt „MIGRA-MD“ startet in Deutschland

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Trotz guter Therapieoptionen gibt es ein hohes Maß an Unter- und Fehlversorgung. Mit „MIGRA-MD“ startet die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) im Juni 2025 eines der derzeit größten Versorgungsprojekte zur strukturierten Migränebehandlung in Deutschland. Im Fokus: digitale Tools, multimodale Edukation und datengestützte Therapieentscheidungen für eine effizientere, leitliniengerechte, ambulante Behandlung.

Das wissenschaftliche Projekt, an dem auch das LMU Klinikum München beteiligt ist, wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) aus dem Innovationsfonds der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit über 5 Millionen Euro gefördert.

Erfahren Sie mehr bei der Online-Pressekonferenz der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) am:

Donnerstag, 22. Mai 2025, 12 — 13 Uhr

Registrierung über Zoom hier: www.bit.ly/KopfschmerzkongressPK

Versorgungslücke Migräne – wie das Projekt "MIGRA-MD" mit Struktur und Technik neue Standards setzt
PD Dr. med. Ruth Ruscheweyh, Fachärztin für Neurologie an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des LMU Klinikums München

Die Pressekonferenz bildet den Auftakt zum zweiten Kopfschmerzkongress der DMKG am 23./24. Mai 2025 in Köln. Der Kongress bietet niedergelassenen Ärzten, Hausärzten, Fachärzten verschiedener Disziplinen und Therapeuten ein interdisziplinäres Forum, um Fortbildung zu fördern und neue Ansätze in Prävention, Diagnose und Therapie zu diskutieren.

Nähere Informationen: www.kopfschmerzkongress.de
Kongressakkreditierung als Journalist:in via Kerstin.Aldenhoff@conventus.de
Tel.: 0172 3516916

 

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Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG, www.dmkg.de) ist seit 1979 die interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft für Kopf- und Gesichtsschmerzen, in der Ärzt:innen, Psycholog:innen, Physiotherapeut:innen, Pharmakolog:innen und Apotheker:innen organisiert sind. Die DMKG setzt sich für die Verbesserung der Therapie der vielen Millionen Patient:innen in Deutschland mit akuten und chronischen Kopfschmerzen ein. Die Fachgesellschaft fördert die Forschung und organisiert Fortbildungen für medizinische Fachberufe. Sie veranstaltet den Kopfschmerzkongress (zweijährlich) und gemeinsam mit der Deutschen Schmerzgesellschaft den Deutschen Schmerzkongress (jährlich).

Mit der Initiative »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen« will die DMKG die Kopfschmerzversorgung verbessern. Im Fokus stehen Migräne, Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch, Kopfschmerz vom Spannungstyp und Clusterkopfschmerz. Das Angebot richtet sich an alle, die in der Versorgung von Kopfschmerzpatient:innen tätig sind: www.attacke-kopfschmerzen.de. Die Initiative wird finanziell unterstützt von den Unternehmen AbbVie, Lundbeck, Novartis, Organon und Teva. Alle fachlichen Inhalte sind von Expertinnen und Experten aus den Reihen der unabhängigen DMKG ehrenamtlich verfasst und nicht von Werbebotschaften beeinflusst.

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Ausblick: Das bringt 2025 für die Migränetherapie

13. Februar 2025 – Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Täglich erleben 350.000 Menschen in Deutschland eine Migräneattacke. Bis zu 14 Prozent aller Frauen und 8 Prozent aller Männer sind betroffen. Im März 2025 wird die Markteinführung des ersten Vertreters einer neuen Klasse von Migränemitteln in Deutschland erwartet: Atogepant, von dem vor allem Menschen mit häufigen Attacken profitieren könnten. Aktuelle Forschungsergebnisse zu diesen und weiteren neuen Medikamenten und Wirkzielen bei Migräne wurden auf dem 18. Europäischen Kopfschmerzkongress (EHC) der European Headache Federation (EHF) in Rotterdam diskutiert. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) gibt einen Überblick.

Zugelassen sind sie in der EU schon lange, in den USA und im europäischen Ausland sind sie längst erhältlich, die Markteinführung in Deutschland ließ aber lange auf sich warten: Gepante gelten als vielversprechende neue Medikamente aus der Klasse der CGRP-Rezeptorantagonisten, die die Möglichkeiten der individuellen Migränetherapie erweitern. Als erster Vertreter der Wirkstoffgruppe wurde Rimegepant (Vydura® von Pfizer) im April 2022 in der EU zugelassen, für die Akutbehandlung und Prophylaxe episodischer Migräne, zur Markteinführung in Deutschland gibt es aber noch keine Prognose. Im August 2023 folgte die EU-Zulassung von Atogepant (Aquipta® von Abbvie) in Tablettenform für die Prophylaxe von episodischer und chronischer Migräne.

„Die lange Wartezeit, bis eine vielversprechende Therapie in Deutschland verfügbar ist, ist bedauerlich. Wir möchten wirksame Behandlungen schneller zu den Patienten bringen“, sagt Prof. Uwe Reuter, künftiger Präsident der European Headache Federation (EHF), Ärztlicher Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald und Leiter der Kopfschmerzambulanz der Berliner Charité.

Atogepant: Lang erwartete neue Behandlungsoption

In den Phase-II-Zulassungsstudien PROGRESS und ADVANCE [1,2] reduzierte sich unter Atogepant bei Patienten mit chronischer Migräne (mind. 15 Kopfschmerztage/Monat, davon mind. 8 migräneartig) die Zahl der Kopfschmerztage um 6,8 Tage (vs. 5,1 Tage unter Placebo). Bei episodischer Migräne (4 bis 14 Migränetage pro Monat) sank die Zahl um 4,1 Tage (vs. 2,5 Tage unter Placebo). Atogepant eignet sich besonders für Patienten, die mindestens vier Migränetage im Monat haben. Die ELEVATE-Studie [3] hat die Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten mit episodischer Migräne untersucht, bei denen herkömmliche orale präventive Migränetherapien versagt haben: Atogepant war sicher und gut verträglich und zeigte im Vergleich zu Placebo eine signifikante klinisch relevante Reduktion der monatlichen Migränetage über 12 Wochen. „Wie Atogepant einzelnen Patienten individuell hilft, muss sich zeigen“, sagt Prof. Reuter. Patienten, die bisher die Antikörperspritze bekommen haben, könnten nach Einschätzung des Experten auch von Atogepant profitieren. Der Vorteil: Im Gegensatz zur monatelang anhaltenden Wirkung der Antikörperspritze kann Atogepant in Tablettenform schneller wieder abgesetzt werden, etwa bei Nebenwirkungen oder einer Schwangerschaft.

PACAP: Neues Signalmolekül im Fokus der Forschung

Neben Gepanten rücken auch andere vielversprechende Ansätze in den Fokus der Migräneforschung. Das Signalmolekül PACAP-38 (Pituitary Adenylate Cyclase-activating Peptide-38) ist ein potenzielles neues Ziel für künftige Therapien. Forschungen von Professor Dr. Messoud Ashina und seinem Team an der Universität Kopenhagen, die auch auf dem EHC vorgestellt wurden, haben hierzu wichtige Erkenntnisse geliefert. PACAP-38 ist wie CGRP an der Pathophysiologie der Migräne beteiligt. Die Hemmung der PACAP-Signalübertragung könnte somit ein wirksamer neuer Ansatz zur Migräneprävention sein. Ein PACAP-Inhibitor namens Lu AG09222, ein humanisierter monoklonaler Antikörper, wurde kürzlich in einer Phase-IIa-Studie (HOPE) mit 237 Erwachsenen untersucht, die zu Studienbeginn durchschnittlich an 16,7 Migränetagen pro Monat litten [4]. Die Infusion des Antikörpers verringerte die Anzahl der Migränetage pro Monat um 6,2 Tage, verglichen mit 4,2 Tagen unter Placebo. Zudem erreichten in der Verumgruppe mehr Patienten eine mindestens 50-prozentige Verringerung der Anzahl der Migränetage pro Monat als in der Placebogruppe (32 vs. 27 Prozent). „Der Unterschied war geringer als erhofft, dennoch wurde ein weiterer potenzieller Angriffspunkt für Migräne identifiziert“, so Prof. Reuter.

KATP-Kanäle: Vielversprechendes Target für die Migränetherapie

Ein weiteres interessantes Wirkziel für die Migränetherapie sind KATP-Kanäle, ATP-abhängige Kaliumkanäle, die im trigeminovaskulären System weit verbreitet sind und unter anderem an der Regulierung von Anspannung von Arterien in Gehirn und Hirnhaut mitwirken. KATP-Kanäle stehen mit Substanzen in Verbindung, die Migräneattacken auslösen können, wie CGRP, Stickoxid, PACAP und Protaglandine. Studien haben außerdem gezeigt, dass Medikamente gegen andere Erkrankungen, die KATP-Kanäle öffnen, bei vielen Patienten zu Kopfschmerzen führen können. Beispiele sind Pinacidil (Bluthochdruck), Nicorandil (Angina pectoris und koronare Herzkrankheiten) und Levcromakalim (Asthma und Bluthochdruck). Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass KATP-Kanäle ein Ziel für zukünftige Migränetherapien sein könnten. Entsprechende Wirkstoffe, die auf KATP-Kanäle abzielen, müssen jedoch noch entwickelt werden. Bisher bekannte Substanzen wie Glibenclamid und PNU37883A sind aufgrund gefährlicher Nebenwirkungen nicht geeignet. „Der Ansatz ist sehr vielversprechend: KATP-Kanäle ermöglichen einen vielseitigeren und grundlegenderen Eingriff in die Migräneentstehung als bisherige Mittel, die CGRP als Ziel haben“, erklärt Prof. Reuter.

Die bevorstehende Markteinführung von Atogepant und die kontinuierliche Forschung an neuen Wirkmechanismen eröffnen für Migränepatienten in Deutschland vielversprechende Perspektiven. Der 2. Kopfschmerzkongress der DMKG am 23./24. Mai 2025 in Köln wird Fachkreisen weitere spannende Fortschritte der Migränetherapie präsentieren (kopfschmerzkongress.de).

Save-the-Date: Online-Pressekonferenz zum Kopfschmerzkongress am Do., 22. Mai 2025, 11 Uhr

Literatur

  1. Pozo-Rosich P, Ailani J, Ashina M, et al. Atogepant for the preventive treatment of chronic migraine (PROGRESS): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial Lancet. 2023;402(10404):775-785. doi:10.1016/S0140-6736(23)01049-8
  2. Ailani, Jessica et al. “Atogepant for the Preventive Treatment of Migraine.” The New England journal of medicine vol. 385,8 (2021): 695-706. doi:10.1056/NEJMoa2035908
  3. Tassorelli, Cristina et al. “Safety and efficacy of atogepant for the preventive treatment of episodic migraine in adults for whom conventional oral preventive treatments have failed (ELEVATE): a randomised, placebo-controlled, phase 3b trial.” The Lancet. Neurology vol. 23,4 (2024): 382-392. doi:10.1016/S1474-4422(24)00025-5
  4. Ashina M, Phul R, Khodaie M, Löf E, Florea I. A Monoclonal Antibody to PACAP for Migraine Prevention. N Engl J Med. 2024;391(9):800-809. doi:10.1056/NEJMoa2314577

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